Ratgeber · IT-Betreuung

Was kostet IT-Betreuung? Die sechs Faktoren, die den Preis bestimmen

Wer im Netz nach den Kosten für IT-Betreuung sucht, findet Zahlen zwischen 30 und 220 Euro pro Arbeitsplatz und Monat. Das ist ein Faktor von mehr als sechs – und keine dieser Zahlen ist falsch. Sie beschreiben nur nicht dasselbe.

Von Dipl.-Ing. Mohamed Khater, Gründer und Geschäftsführer, seit 1992 · · 8 Minuten Lesezeit

Warum die veröffentlichten Zahlen so weit auseinanderliegen

Kein Geschäftsführer kann mit einer Spanne von 30 bis 220 Euro planen. Der Grund für die Spreizung ist aber kein Preiswucher, sondern eine Vermischung: In den Angeboten stecken drei verschiedene Dinge unter demselben Namen.

Wir nennen auf dieser Seite bewusst keinen eigenen Preis. Ein Preis ohne Kenntnis Ihrer Umgebung wäre geraten, und geratene Preise werden entweder im Nachhinein korrigiert oder von Anfang an mit einem Sicherheitsaufschlag versehen. Beides hilft Ihnen nicht. Was wir stattdessen tun: erklären, woraus sich der Preis zusammensetzt – damit Sie jedes Angebot einordnen können, auch das eines Wettbewerbers.

  • Die Leistungstiefe. Monitoring, Patch-Management und Fernwartung sind etwas anderes als dieselben Leistungen plus Firewall-Betrieb, geprüfte Datensicherung, Endpoint-Schutz und Notfallbereitschaft. Beides heißt „IT-Betreuung“.
  • Das Abrechnungsobjekt. Manche rechnen je Arbeitsplatz ab, andere je Benutzer, je Gerät oder je Standort. Ein Betrieb mit zwanzig Mitarbeitenden, von denen zwölf im Schichtbetrieb dieselben acht Rechner nutzen, zahlt je nach Modell sehr unterschiedlich viel – bei identischer Leistung.
  • Durchlaufende Posten. Microsoft-365-Lizenzen, Speicherplatz für die Datensicherung und Herstellerwartung sind Einkauf, keine Dienstleistung. Angebote am oberen Ende enthalten sie meist, Angebote am unteren Ende nie. Wer beide vergleicht, vergleicht eine Pauschale mit einer Pauschale plus Warenkorb.

Damit ist der größte Teil der Spreizung erklärt. Der Rest sind sechs Faktoren, die den tatsächlichen Aufwand bestimmen.

Der eigentliche Kern

Die sechs Faktoren, die den Preis bestimmen

In dieser Reihenfolge wirken sie sich in der Praxis aus – der erste Punkt macht regelmäßig mehr aus als alle anderen zusammen.

1. Komplexität der Umgebung

Zwölf Arbeitsplätze und ein Server sind überschaubar. Zwölf Arbeitsplätze, drei virtualisierte Server, eine Warenwirtschaft mit Datenbank, zwei Standorte über VPN und eine Fachanwendung von 2014, deren Hersteller es nicht mehr gibt: dieselbe Zahl an Arbeitsplätzen, ein Vielfaches an Aufwand.

  • Zustand zählt mehr als Anzahl
  • Fehlende Dokumentation kostet im ersten Jahr
  • Alte Fachanwendungen binden Zeit

2. Umfang des Vertrages

Nur die Arbeitsplätze – oder auch Server, Netzwerk, Firewall, Datensicherung, Telefonanlage und die Abstimmung mit den Herstellern Ihrer Fachanwendungen? Jeder Baustein ist einzeln buchbar, und jeder verändert den Preis.

  • Einstieg mit einem Teilbereich ist üblich
  • Der Umfang wächst meist mit der Zeit
  • Kein Zwang zum Komplettpaket

3. Zugesicherte Reaktionszeit

Vier Stunden während der Geschäftszeiten sind etwas anderes als eine Stunde, und beides ist etwas anderes als Erreichbarkeit am Wochenende. Kurze Zeiten bedeuten Bereitschaft – und Bereitschaft kostet, ob sie in Anspruch genommen wird oder nicht.

  • Die Frage ist nicht „wie schnell maximal“
  • Sondern: was kostet eine Stunde Stillstand?
  • In der Praxis gestaffelt nach Dringlichkeit

4. Anteil an Vor-Ort-Einsätzen

Etwa vier Fünftel aller Störungen lassen sich per Fernwartung lösen, schneller als jemand anfahren könnte. Der Rest nicht: defekte Hardware, Netzwerkprobleme, ein Server, der nicht mehr startet, neue Arbeitsplätze.

  • Enthalten ist planbarer
  • Nach Aufwand ist bei stabiler Technik günstiger
  • Beides ist vertretbar – Sie müssen es nur wissen

5. Größe und Skaleneffekte

Monitoring einrichten, dokumentieren, ein Backup-Konzept entwerfen, die Firewall regelmäßig prüfen: Dieser Aufwand fällt weitgehend unabhängig davon an, ob zehn oder fünfzig Menschen im Betrieb arbeiten.

  • Je Arbeitsplatz sinkt der Preis mit der Größe
  • Grundaufwand lässt sich nicht beliebig teilen
  • Deshalb zahlen kleine Betriebe je Platz mehr

6. Nachweis- und Sicherheitspflichten

Eine Steuerkanzlei, eine Praxis oder ein Zulieferer, der über seine Auftraggeber mittelbar unter NIS-2 fällt, braucht mehr als ein Handwerksbetrieb mit acht Arbeitsplätzen: getrennte Berechtigungen, nachvollziehbare Zugriffe, dokumentierte Wiederherstellungstests.

  • Laufender Aufwand, nicht einmalig
  • Betrifft Kanzleien, Praxen, Zulieferer
  • Wird in Angeboten oft nicht ausgewiesen

Was üblicherweise nicht in der Pauschale steckt

Vier Positionen, nach denen Sie in jedem Angebot ausdrücklich fragen sollten – sie erklären einen großen Teil des Preisunterschieds zwischen zwei scheinbar gleichen Angeboten.

  • Lizenzen für Microsoft 365, Betriebssysteme, Virenschutz und Fachanwendungen
  • Speicherplatz für die Datensicherung, besonders bei Sicherung an einen zweiten Ort
  • Herstellerwartung für Firewall, Server und Telefonanlage – ohne sie gibt es im Schadensfall keinen Austausch und keine Sicherheitsupdates
  • Projekte, die über den laufenden Betrieb hinausgehen: Serverwechsel, Umzüge, Migrationen, neue Standorte

Werkzeug

Vergleichsbogen: zwölf Fragen an jedes Angebot

Gehen Sie die Liste für jedes vorliegende Angebot einmal durch. Die Antworten sagen mehr über ein Angebot aus als der Endbetrag. Zum Ausfüllen am Bildschirm oder zum Ausdrucken.

Ihre Eingaben bleiben in diesem Browserfenster. Es wird nichts gespeichert, nichts übertragen und kein fremder Server angesprochen.

1 Wird je Arbeitsplatz, je Benutzer oder je Gerät abgerechnet?

Bei Schichtbetrieb oder geteilten Rechnern entscheidet das über den Gesamtpreis.

Wird je Arbeitsplatz, je Benutzer oder je Gerät abgerechnet?

2 Werden Server gesondert berechnet – und wie?

Serveraufwand hängt nicht an der Zahl der Beschäftigten. Fast alle rechnen ihn getrennt ab.

Werden Server gesondert berechnet – und wie?

3 Sind Lizenzen enthalten oder kommen sie hinzu?

Der häufigste Grund, warum zwei Angebote unvergleichbar wirken.

Sind Lizenzen enthalten oder kommen sie hinzu?

4 Ist Speicherplatz für die Datensicherung enthalten?

Besonders bei der zweiten Kopie an einem anderen Ort.

Ist Speicherplatz für die Datensicherung enthalten?

5 Sind Vor-Ort-Einsätze enthalten oder werden sie nach Stunden berechnet?

Beides ist vertretbar. Nicht vertretbar ist, es erst auf der ersten Rechnung zu erfahren.

Sind Vor-Ort-Einsätze enthalten oder werden sie nach Stunden berechnet?

6 Welche Reaktionszeit wird zugesichert – und ab wann läuft sie?

Ab Meldung, ab Kenntnisnahme oder ab Beginn der Geschäftszeit? Das sind sehr verschiedene Zusagen.

Welche Reaktionszeit wird zugesichert – und ab wann läuft sie?

7 Gilt die Reaktionszeit auch außerhalb der Geschäftszeiten?

Wenn nicht: Was passiert bei einem Serverausfall am Freitagabend?

Gilt die Reaktionszeit auch außerhalb der Geschäftszeiten?

8 Wer haftet, wenn eine Datensicherung im Ernstfall nicht funktioniert?

Die unangenehmste Frage – und die, bei der sich Angebote am deutlichsten unterscheiden.

Wer haftet, wenn eine Datensicherung im Ernstfall nicht funktioniert?

9 Wird die Wiederherstellung regelmäßig getestet, und bekomme ich einen Nachweis?

Eine Sicherung, die nie zurückgespielt wurde, ist eine Vermutung, kein Backup.

Wird die Wiederherstellung regelmäßig getestet, und bekomme ich einen Nachweis?

10 Was kostet ein Projekt, das über den laufenden Betrieb hinausgeht?

Stundensatz, Projektpauschale oder freies Ermessen?

Was kostet ein Projekt, das über den laufenden Betrieb hinausgeht?

11 Wie lange bindet mich der Vertrag, und mit welcher Frist kann ich kündigen?

Lange Mindestlaufzeiten sind ein Hinweis darauf, wie ein Anbieter Kunden halten möchte.

Wie lange bindet mich der Vertrag, und mit welcher Frist kann ich kündigen?

12 Was passiert bei einer Kündigung mit Dokumentation, Zugangsdaten und Lizenzen?

Die wichtigste Frage der Liste. Passwörter, Lizenzen und Dokumentation gehören Ihnen, nicht Ihrem Dienstleister. Wer hier ausweichend antwortet, sagt Ihnen damit schon alles.

Was passiert bei einer Kündigung mit Dokumentation, Zugangsdaten und Lizenzen?

Noch keine Frage bewertet.

Der Vergleich, auf den es ankommt

Der ehrliche Vergleich lautet nicht „Betreuung gegen null“. Er lautet: Betreuung gegen die Alternative – und die hat ebenfalls einen Preis.

Eine eigene IT-Stelle kostet das Bruttogehalt plus rund ein Fünftel Arbeitgeberanteil an den Sozialabgaben, dazu Arbeitsplatz, Weiterbildung, Werkzeuge und Lizenzen für Monitoring und Fernwartung. Hinzu kommt, was in keiner Gehaltstabelle steht: Urlaub, Krankheit, Kündigung – und das Wissen, das dann mitgeht. Eine Person kann außerdem nicht gleichzeitig Firewall, Datenbank, Telefonanlage und Microsoft 365 beherrschen.

Ab etwa fünfzig bis sechzig Arbeitsplätzen rechnet sich eine eigene Stelle in vielen Fällen. Darunter selten. Das sagen wir auch dann, wenn es gegen uns spricht – die ausführliche Gegenüberstellung von eigener IT-Kraft, Freiberufler und Systemhaus steht auf unserer Startseite.

Häufige Fragen

Was uns dazu oft gefragt wird

Warum steht auf dieser Seite kein Preis?
Weil er ohne Kenntnis Ihrer Umgebung geraten wäre. Wir schicken kein Angebot, bevor wir wissen, worüber wir reden. Die Bestandsaufnahme ist kostenlos und unverbindlich; danach bekommen Sie einen festen Monatspreis mit klar benanntem Leistungsumfang.
Ist ein günstigeres Angebot automatisch schlechter?
Nein. Es ist meistens ein anderes. Prüfen Sie mit dem Vergleichsbogen oben, was darin fehlt. Wenn nichts fehlt und der Preis trotzdem niedriger ist, nehmen Sie es.
Können wir mit einem kleinen Umfang anfangen?
Ja. Viele Kunden beginnen mit der Überwachung der Datensicherung oder der Serverbetreuung. Der Umfang wächst erfahrungsgemäß mit der Zeit – aber das entscheiden Sie, nicht wir.
Was kostet die Bestandsaufnahme?
Nichts. Wir erfassen Hardware, Software, Lizenzen, Netzwerk, Backups und Sicherheitsstand und geben eine ehrliche Einschätzung – auch dann, wenn vieles bereits gut läuft und Sie sich anschließend gegen uns entscheiden.
Warum nennen andere Anbieter eine Zahl und Sie nicht?
Eine veröffentlichte Zahl ist eine Werbeaussage, an die ein Anbieter gebunden ist. Wer „ab 35 Euro“ schreibt, muss das auch dem Betrieb anbieten, für den dieser Umfang nicht reicht – oder er erklärt beim ersten Gespräch, warum der genannte Preis diesmal nicht gilt. Wir halten den zweiten Weg für unangenehmer als die ehrliche Auskunft, dass es auf die Umgebung ankommt.

Dipl.-Ing. Mohamed Khater

Dipl.-Ing. Mohamed Khater hat die INFONET Computer GmbH 1992 in Köln gegründet und führt sie bis heute als Inhaber. Er arbeitet weiterhin selbst an der Technik, statt sie nur zu verwalten – die Einschätzungen in diesem Beitrag stammen aus 34 Jahren Angeboten, Übernahmen und Bestandsaufnahmen im rheinischen Mittelstand.

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