Ratgeber · Datensicherung
Die 3-2-1-Regel: was eine Datensicherung wirklich leisten muss
Drei Kopien, zwei Medien, eine außer Haus – und warum die Erweiterung um eine unveränderbare Kopie seit Ransomware unverzichtbar ist.
Was die Regel besagt – und warum sie so alt ist
Die 3-2-1-Regel stammt aus der Fotografie und ist älter als die meisten Betriebe, die sie heute anwenden. Sie lautet: drei Kopien Ihrer Daten, auf zwei verschiedenen Medien, davon eine außer Haus. Dass sie sich seit Jahrzehnten hält, liegt daran, dass sie keine Technik voraussetzt, sondern Risiken abdeckt.
Drei Kopien heißt: das Original plus zwei Sicherungen. Nicht das Original plus eine Sicherung — denn wenn die Sicherung beim Zurückspielen ausfällt, stehen Sie mit leeren Händen da. Zwei Medien heißt: nicht beides auf derselben Bauart, weil dieselbe Bauart dieselben Schwächen hat. Und eine Kopie außer Haus deckt genau das ab, was im eigenen Gebäude nicht zu lösen ist: Feuer, Wasser, Einbruch.
Was die Regel in ihrer ursprünglichen Form nicht abdeckt, ist der Fall, der heute die meisten Schäden verursacht: dass jemand Ihre Umgebung übernimmt und dabei auch die Sicherung mit verschlüsselt. Deshalb gehört ein vierter Punkt dazu.
Der Zusatz, der seit Ransomware zählt
Eine Kopie muss unveränderbar sein
Wer Verwaltungsrechte in Ihrem Netz erlangt, sucht als Erstes die Sicherung. Eine Sicherung, die vom betroffenen System aus gelöscht werden kann, ist im Ernstfall keine.
- Unveränderbarer Speicher. Einmal geschriebene Sicherungen lassen sich für einen festgelegten Zeitraum nicht ändern und nicht löschen – auch nicht mit Verwaltungsrechten. Bei Cloud-Speichern heißt die Einstellung meist Object Lock oder Immutability.
- Getrennte Zugangsdaten. Das Konto, mit dem gesichert wird, darf nicht dasselbe sein wie das der Windows-Anmeldung. Ein übernommenes Verwaltungskonto darf nicht automatisch Zugriff auf die Sicherung haben.
- Ein Medium, das offline liegt. Eine Festplatte, die nach der Sicherung abgezogen wird, ist technisch unelegant und im Ernstfall Gold wert. Für kleine Betriebe oft der einfachste Weg zur vierten Anforderung.
- Aufbewahrung über Wochen, nicht Tage. Verschlüsselungsangriffe beginnen häufig Wochen vor dem sichtbaren Schaden. Wer nur sieben Tage vorhält, sichert womöglich bereits die manipulierten Daten.
Was in Sicherungen regelmäßig fehlt
Bei Übernahmen sehen wir fast immer dieselben Lücken. Nicht weil jemand nachlässig war, sondern weil diese Dinge außerhalb des Blickfelds liegen.
- Microsoft 365. Microsoft sichert die eigene Infrastruktur, nicht Ihre Daten gegen Ihre eigenen Fehler. Eine gelöschte Mail ist nach Ablauf der Aufbewahrung endgültig weg.
- Die Konfiguration, nicht nur die Dateien. Firewall-Regeln, Switch-Einstellungen, Telefonanlage, Berechtigungen. Ohne sie dauert der Wiederaufbau Tage statt Stunden.
- Daten auf einzelnen Arbeitsplätzen. Was auf dem Desktop eines Rechners liegt, ist in keiner Serversicherung enthalten.
- Datenbanken im laufenden Betrieb. Eine Datei zu kopieren, während die Datenbank schreibt, erzeugt eine Sicherung, die sich nicht zurückspielen lässt.
- Verschlüsselungsschlüssel. Der Wiederherstellungsschlüssel einer verschlüsselten Festplatte, der nur auf ebendieser Festplatte liegt, hilft niemandem.
- Die Dokumentation selbst. Wenn die Anleitung zum Wiederherstellen auf dem Server liegt, der wiederhergestellt werden soll.
Sicherung und Archiv sind zwei verschiedene Dinge
Eine Sicherung dient dazu, einen Zustand wiederherzustellen — sie ist auf Geschwindigkeit ausgelegt und überschreibt sich nach einer festgelegten Zeit. Ein Archiv dient dazu, etwas über Jahre auffindbar zu halten, weil das Gesetz es verlangt oder weil es später gebraucht wird.
Die Verwechslung ist teuer in beide Richtungen: Wer Buchungsbelege in der Sicherung aufbewahren will, muss diese acht Jahre vorhalten und zahlt für Speicher, den er nie braucht. Wer umgekehrt glaubt, die Sicherung erfülle die Aufbewahrungspflicht, stellt nach einem Jahr fest, dass die Daten überschrieben wurden.
Praktisch heißt das: Sicherung mit kurzer bis mittlerer Aufbewahrung für den Betrieb, Archivierung getrennt davon für alles, was gesetzlichen Fristen unterliegt.
Häufige Fragen
Was uns dazu oft gefragt wird
Reicht eine Sicherung in die Cloud?
Als Kopie außer Haus: ja, das ist genau ihr Zweck. Als einzige Sicherung: nein. Bei einem größeren Ausfall müssen Sie alles über Ihre Internetleitung zurückholen, und das dauert bei mehreren Terabyte Tage. Eine lokale Kopie stellt schnell wieder her, die Cloud-Kopie deckt den Katastrophenfall ab.
Wie oft sollte gesichert werden?
Die Frage lautet umgekehrt: Wie viel Arbeit dürfen Sie verlieren? Wer täglich nachts sichert, verliert im schlimmsten Fall einen Arbeitstag. Für die meisten Betriebe ist das vertretbar. Bei Warenwirtschaft oder Buchhaltung, in die den ganzen Tag geschrieben wird, sind kürzere Abstände sinnvoll.
Rechnen Sie es einmal aus: Ein Tag verlorene Erfassung mal Stundensatz mal Anzahl der Betroffenen. Diese Zahl beantwortet die Frage genauer als jede Faustregel.
Muss die Sicherung verschlüsselt sein?
Ja, sobald sie das Gebäude verlässt — also bei jeder Kopie außer Haus und bei jedem Wechseldatenträger, der mitgenommen wird. Eine unverschlüsselte Sicherung enthält alles, was Ihr Betrieb an Daten hat, in einer einzigen Datei.
Wichtig ist, wo der Schlüssel liegt: nicht auf demselben Medium und nicht nur im Kopf einer Person.
Was ist mit Bändern – ist das nicht veraltet?
Bänder haben zwei Eigenschaften, die kein anderes Medium so bietet: Sie liegen nach dem Auswerfen physisch getrennt vom Netz, und sie halten Jahrzehnte. Für größere Datenmengen mit langer Aufbewahrung sind sie weiterhin die günstigste Lösung.
Für einen Betrieb mit zwanzig Arbeitsplätzen sind sie meist überdimensioniert. Dort erfüllen abwechselnd genutzte Festplatten denselben Zweck.
Wir haben ein RAID – reicht das nicht?
Nein, und das ist eine der folgenschwersten Verwechslungen. Ein RAID schützt gegen den Ausfall einer einzelnen Festplatte, sonst nichts. Gegen versehentliches Löschen, Verschlüsselung, Feuer oder einen defekten Controller hilft es nicht — eine gelöschte Datei ist auf allen Platten gleichzeitig gelöscht.
Ein RAID erhöht die Verfügbarkeit. Eine Sicherung stellt Daten wieder her. Das sind zwei verschiedene Aufgaben.
Dipl.-Ing. Mohamed Khater
Dipl.-Ing. Mohamed Khater hat die INFONET Computer GmbH 1992 in Köln gegründet. Bei Übernahmen ist die Datensicherung der Bereich mit den meisten Überraschungen – regelmäßig läuft sie seit Jahren, ohne dass je eine Wiederherstellung geprüft wurde.
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