Ratgeber · IT-Infrastruktur

Cloud oder eigener Server? Die Rechnung über fünf Jahre

Die Frage kommt meist dann auf, wenn der alte Server in die Jahre kommt. Und sie wird fast immer falsch gerechnet – weil auf beiden Seiten Posten fehlen, die erst später auffallen.

Von Dipl.-Ing. Mohamed Khater, Gründer und Geschäftsführer, seit 1992 · · 9 Minuten Lesezeit

Warum der Vergleich meistens schiefgeht

Der typische Vergleich stellt den Kaufpreis eines Servers der Monatsrechnung eines Cloud-Anbieters gegenüber. Das ist, als würde man den Kaufpreis eines Autos mit einer Leasingrate vergleichen und dabei Versicherung, Wartung und Sprit auf beiden Seiten vergessen.

Beide Seiten haben blinde Flecken, und es sind nicht dieselben. Beim eigenen Server werden die laufenden Kosten unterschätzt, bei der Cloud die einmaligen und die, die neben der Rechnung des Anbieters anfallen.

Fünf Jahre sind der richtige Zeitraum, weil das ungefähr die Nutzungsdauer eines Servers ist. Wer über drei Jahre rechnet, benachteiligt den eigenen Server; wer über acht rechnet, unterschlägt, dass die Hardware dann längst ersetzt sein müsste.

Blinder Fleck 1

Was beim eigenen Server regelmäßig fehlt

Die Anschaffung steht in jedem Angebot. Diese Posten stehen selten daneben.

  • Herstellerwartung. Ohne gültigen Vertrag gibt es im Schadensfall kein Ersatzteil am nächsten Arbeitstag und keine Firmware-Updates. Läuft meist drei Jahre und muss dann verlängert werden.
  • Zugriffslizenzen. Bei Windows-Servern kommen Lizenzen je Gerät oder Benutzer hinzu – ein Posten, der bei wachsender Belegschaft mitwächst.
  • Strom und Klima. Ein Server läuft rund um die Uhr, die USV auch. In einem Raum ohne Kühlung steigt außerdem die Ausfallrate.
  • Die zweite Sicherung. Ein Backup im selben Gebäude ist bei Feuer oder Verschlüsselung wertlos. Die Kopie an einen anderen Ort kostet Speicher und Leitung.
  • Die Ablösung nach fünf Jahren. Am Ende des Zeitraums steht die nächste Anschaffung an. Wer das ausklammert, vergleicht eine endliche mit einer unendlichen Rechnung.

Blinder Fleck 2

Was bei der Cloud regelmäßig fehlt

Die Monatsrechnung des Anbieters ist der sichtbare Teil. Diese Posten stehen nicht darauf.

  • Die Umstellung. Migration, Anpassung von Fachanwendungen, Schulung. Der größte Einzelposten im ersten Jahr und der am häufigsten unterschätzte.
  • Die eigene Datensicherung. Der Anbieter sichert seine Infrastruktur, nicht Ihre Daten gegen Ihre eigenen Fehler. Eine gelöschte Datei ist nach Ablauf des Papierkorbs weg.
  • Die Internetleitung. Was vorher im Haus lief, läuft jetzt über die Leitung. Häufig braucht es mehr Bandbreite und eine zweite Leitung als Rückfallebene – ohne Internet steht sonst der ganze Betrieb.
  • Die Betreuung. Cloud heißt nicht, dass niemand mehr Berechtigungen pflegt, Kosten überwacht und Sicherheitseinstellungen prüft. Der Aufwand verschiebt sich, er verschwindet nicht.
  • Der Weg zurück. Datenmengen wieder herunterzuholen kostet Zeit und teils Gebühren. Fragen Sie das vor dem Wechsel ab, nicht danach.

Werkzeug

Rechnen Sie mit Ihren eigenen Zahlen

Wir tragen hier bewusst keine Beispielpreise ein – jede Vorgabe wäre für Ihren Betrieb falsch. Nehmen Sie Ihre vorliegenden Angebote und füllen Sie aus, was Sie kennen.

Eigener Server

Cloud

Kosten über fünf Jahre

Tragen Sie Ihre Zahlen ein. Es genügt, wenn Sie die Posten ausfüllen, die Sie kennen.

Die Rechnung läuft in Ihrem Browser. Es wird nichts übertragen und nichts gespeichert. Einmalige Posten zählen einmal, jährliche fünfmal, monatliche sechzigmal – ohne Abzinsung, damit Sie jeden Schritt nachrechnen können.

Erfahrungswerte

Wann sich was in der Praxis rechnet

Die Rechnung entscheidet selten allein. Diese Muster sehen wir seit Jahren.

Für den eigenen Server spricht

Große Datenmengen, die ständig bewegt werden. Fachanwendungen, die auf niedrige Latenz angewiesen sind. Eine langsame oder unzuverlässige Internetanbindung. Anforderungen, bei denen die Daten nachweislich im Haus bleiben sollen.

  • CAD, Video, Bildarchive
  • Alte Fachanwendungen
  • Schlechte Leitung am Standort

Für die Cloud spricht

Verteilte Standorte und viel Arbeit von unterwegs. Stark schwankender Bedarf. Kein geeigneter Serverraum. Und die Situation, in der ohnehin gerade eine Neuanschaffung anstünde – der Umstieg kostet dann nicht zusätzlich.

  • Homeoffice und Außendienst
  • Mehrere Standorte
  • Kein Serverraum vorhanden

Häufig die richtige Antwort: beides

In der Praxis läuft es oft auf eine gemischte Lösung hinaus. E-Mail und Zusammenarbeit in der Cloud, die Fachanwendung mit den großen Datenmengen im Haus. Das ist kein Kompromiss aus Unentschlossenheit, sondern meist die günstigste und robusteste Lösung.

  • Mail und Dateien in die Cloud
  • Fachanwendung bleibt im Haus
  • Sicherung immer an zwei Orten

Häufige Fragen

Was uns dazu oft gefragt wird

Ist die Cloud sicherer als ein eigener Server?
Die Infrastruktur großer Anbieter ist besser abgesichert, als es ein Mittelständler je leisten könnte. Der häufigste Schaden entsteht aber nicht dort, sondern bei falsch gesetzten Berechtigungen, übernommenen Konten und gelöschten Daten – und dagegen schützt der Anbieter nicht. Sicherer ist am Ende, was ordentlich betreut wird.
Bleiben unsere Daten in Deutschland?
Das hängt vom Anbieter und vom gewählten Standort ab und muss vertraglich festgehalten werden. Für viele Anwendungen lässt sich ein Rechenzentrum in Deutschland oder der EU wählen. Prüfen Sie zusätzlich, wo der Support sitzt und wer im Wartungsfall Zugriff hat – das steht oft im Kleingedruckten.
Was passiert bei einem Internetausfall?
Bei einer reinen Cloud-Lösung steht dann der Betrieb. Deshalb gehört bei ernsthafter Nutzung eine zweite Leitung dazu, im einfachsten Fall über Mobilfunk. Diese Kosten gehören in die Cloud-Spalte der Rechnung – sie werden fast immer vergessen.
Können wir den alten Server einfach weiterlaufen lassen?
Solange er Sicherheitsupdates bekommt und die Wartung läuft: ja. Ohne beides wird er zum Risiko, unabhängig davon, wie zuverlässig er noch arbeitet. Die Frage ist dann nicht mehr Cloud oder Server, sondern wann der Ausfall kommt.
Was empfehlen Sie denn nun?
Ohne Ihre Zahlen und Ihre Anwendungen wäre jede Empfehlung geraten. Was wir aus der Praxis sagen können: Bei kleinen Betrieben mit wenig Daten und viel Arbeit von unterwegs gewinnt meist die Cloud. Bei großen Datenmengen und alten Fachanwendungen meist der eigene Server. Dazwischen liegt die gemischte Lösung – und die ist häufiger richtig, als beide Lager zugeben.

Dipl.-Ing. Mohamed Khater

Dipl.-Ing. Mohamed Khater hat die INFONET Computer GmbH 1992 in Köln gegründet. Seitdem hat INFONET beide Wege gebaut – Serverräume ebenso wie Umstellungen in die Cloud – und in beiden Richtungen auch schon zurückgebaut, wenn sich eine Entscheidung als falsch erwies.

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