Ratgeber · Datensicherung
Wann haben Sie zuletzt eine Wiederherstellung getestet?
Eine Sicherung, die nie zurückgespielt wurde, ist eine Vermutung. Ein Testverfahren, das in zwei Stunden durchführbar ist.
Warum ungetestete Sicherungen scheitern
Eine Sicherung, die nie zurückgespielt wurde, ist keine Sicherung, sondern eine Vermutung. Der Unterschied fällt an genau einem Tag auf – und an diesem Tag ist er nicht mehr zu korrigieren.
Die Gründe für gescheiterte Wiederherstellungen sind selten spektakulär. Meist ist es eines von fünf Dingen: Ein Teil der Daten war nie im Sicherungsumfang. Die Datenbank wurde im laufenden Betrieb kopiert und ist unbrauchbar. Der Verschlüsselungsschlüssel liegt auf dem System, das wiederhergestellt werden soll. Der Auftrag läuft seit Monaten auf Fehler, aber niemand liest die Meldungen. Oder die Wiederherstellung funktioniert, dauert aber vier Tage – und der Betrieb hält zwei aus.
Alle fünf Punkte finden Sie in zwei Stunden heraus. Nach dem Vorfall herauszufinden, kostet Wochen.
Verfahren
Ein Test, der in zwei Stunden durchführbar ist
Nicht die vollständige Wiederherstellung des Rechenzentrums, sondern ein Test, der die entscheidenden Fragen beantwortet – und der sich vierteljährlich wiederholen lässt.
Eine Datei aus der Vorwoche zurückholen
Der einfachste Fall, und er scheitert häufiger als erwartet. Wählen Sie bewusst etwas aus einem Bereich, der selten angefasst wird – nicht das, was ohnehin täglich benutzt wird.
Eine Datei aus dem Vormonat zurückholen
Prüft, ob die Aufbewahrung tatsächlich so weit zurückreicht wie angenommen. Häufigster Befund: Die Sicherung überschreibt sich früher als gedacht.
Ein Postfach oder einen Ordner aus Microsoft 365 zurückholen
Der Bereich, der am häufigsten gar nicht gesichert wird. Wenn Sie hier feststellen, dass es keine Sicherung gibt, hat der Test sich schon gelohnt.
Eine Datenbank auf einem Testsystem zurückspielen
Der wichtigste Schritt bei Betrieben mit Warenwirtschaft oder Fachanwendung. Nicht nur zurückspielen – die Anwendung danach starten und prüfen, ob sie die Daten annimmt.
Die Zeit stoppen
Wie lange hat jeder Schritt gedauert? Hochgerechnet auf den gesamten Bestand ergibt das Ihre tatsächliche Wiederherstellungszeit. Meist ist sie länger als angenommen.
Schriftlich festhalten
Datum, was getestet wurde, wie lange es dauerte, was nicht funktionierte. Dieses Protokoll ist bei Nachweispflichten und gegenüber Versicherungen das Dokument, auf das es ankommt.
Vorher festlegen
Zwei Zahlen, die Sie kennen sollten
Sie entscheiden über das gesamte Sicherungskonzept – und sie sind eine geschäftliche Entscheidung, keine technische.
- Wie viel Arbeit dürfen Sie verlieren? Wer nachts sichert, verliert im schlimmsten Fall einen Arbeitstag. Rechnen Sie das aus: Stunden mal Betroffene mal Stundensatz. Ist die Zahl vertretbar, genügt die tägliche Sicherung. Ist sie es nicht, brauchen Sie kürzere Abstände.
- Wie lange darf der Wiederanlauf dauern? Ein Tag? Vier Stunden? Zwei Wochen? Davon hängt ab, ob eine einfache Datensicherung genügt oder ob es Ersatzhardware und ein vorbereitetes Verfahren braucht.
- Beide Zahlen gehören der Geschäftsführung, nicht der IT. Die technische Umsetzung richtet sich danach – nicht umgekehrt.
- Prüfen Sie sie an der teuersten Woche des Jahres, nicht am ruhigsten Monat. Ein Ausfall im Jahresabschluss oder in der Hochsaison kostet ein Vielfaches.
Häufige Fragen
Was uns dazu oft gefragt wird
Wie oft sollte getestet werden?
Der beschriebene kurze Test vierteljährlich, eine vollständige Wiederherstellung auf Ersatzhardware einmal jährlich. Zusätzlich immer dann, wenn sich etwas Wesentliches geändert hat: neuer Server, neue Fachanwendung, Umzug in die Cloud.
Wichtiger als der Abstand ist die Regelmäßigkeit. Ein Test, der im Kalender steht, findet statt – einer, der stattfinden soll, wenn Zeit ist, nicht.
Reicht es nicht, wenn die Sicherungssoftware Erfolg meldet?
Nein. Die Erfolgsmeldung sagt nur, dass Daten geschrieben wurden – nicht, dass sie vollständig sind und sich zurückspielen lassen. Wir haben Umgebungen übernommen, in denen der Auftrag monatelang grün meldete und dabei einen zentralen Ordner gar nicht erfasste, weil er nach einem Umzug woanders lag.
Die Erfolgsmeldung ist eine notwendige, keine hinreichende Bedingung.
Muss der Test auf echter Hardware stattfinden?
Für den vierteljährlichen Test nicht – dort geht es um Vollständigkeit und Lesbarkeit, das lässt sich auf einem Testsystem oder in einer virtuellen Maschine prüfen.
Für die jährliche vollständige Wiederherstellung schon, denn dort geht es um die Zeit. Wie lange dauert es, bis auf neuer Hardware ein arbeitsfähiger Zustand steht? Das lässt sich nur messen, wenn man es einmal macht.
Wer sollte den Test durchführen?
Nicht ausschließlich die Person, die die Sicherung eingerichtet hat. Wer ein System gebaut hat, prüft unbewusst das, was er bedacht hat.
Ideal ist, wenn jemand anderes anhand der Dokumentation vorgeht. Damit testen Sie zwei Dinge gleichzeitig: die Sicherung und die Frage, ob die Anleitung für jemanden taugt, der nicht dabei war.
Was gehört in das Protokoll?
Datum, wer getestet hat, was wiederhergestellt wurde, wie lange es gedauert hat, was nicht funktionierte und was daraufhin geändert wurde. Eine Seite genügt.
Bei Nachweispflichten aus NIS-2 oder gegenüber Auftraggebern ist genau dieses Protokoll das, was verlangt wird – nicht das Sicherungskonzept auf dem Papier.
Dipl.-Ing. Mohamed Khater
Dipl.-Ing. Mohamed Khater hat die INFONET Computer GmbH 1992 in Köln gegründet. Auf die Frage, wann zuletzt eine Wiederherstellung geprüft wurde, bekommen wir bei Übernahmen fast nie eine Antwort mit einem Datum.
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Wann haben Sie zuletzt getestet?
Wenn Ihnen dazu kein Datum einfällt, ist das die Antwort. Wir führen den Test mit Ihnen durch und Sie bekommen das Protokoll – auch wenn Sie danach nichts weiter mit uns machen.
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