Ratgeber · Datensicherheit

Passwörter im Betrieb: was heute noch gilt und was überholt ist

Regelmäßiger Wechsel, Sonderzeichen, Komplexitätsregeln: welche Vorgaben nach heutigem Stand schaden – und was stattdessen zählt.

Von Dipl.-Ing. Mohamed Khater, Gründer und Geschäftsführer, seit 1992 · · 8 Minuten Lesezeit

Warum der erzwungene Wechsel abgeschafft wurde

Jahrzehntelang galt: Passwörter müssen alle 90 Tage gewechselt werden, mit Groß- und Kleinbuchstaben, Ziffern und Sonderzeichen. Beide Regeln gelten heute als überholt – das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat die Empfehlung zum regelmäßigen Wechsel bereits vor Jahren gestrichen.

Der Grund ist beobachtetes Verhalten. Wer alle drei Monate wechseln muss, denkt sich kein neues Passwort aus, sondern hängt eine Ziffer an. Aus Sommer2024! wird Sommer2025!. Für einen Angreifer, der ein altes Passwort kennt, ist das kein Hindernis. Und weil sich niemand vier verschiedene komplexe Passwörter im Jahr merken kann, landen sie auf Zetteln unter der Tastatur.

Gewechselt wird deshalb nur noch aus Anlass: bei Verdacht auf Kenntnisnahme durch Dritte, nach einem bekannt gewordenen Datenleck und beim Ausscheiden von Personen, die das Passwort kannten.

Was stattdessen gilt

Länge schlägt Komplexität

Vier Regeln, die tatsächlich etwas bewirken – und die sich im Alltag einhalten lassen.

  • Mindestens zwölf Zeichen, besser mehr. Jedes zusätzliche Zeichen vervielfacht den Aufwand zum Erraten. Ein Sonderzeichen mehr bringt weit weniger als vier Zeichen mehr Länge.
  • Drei bis vier zusammenhanglose Wörter. KaffeeTraktorWolkeZange ist leichter zu merken und schwerer zu erraten als K4ff33!. Die Wörter dürfen keinen Zusammenhang haben und nichts mit der Person zu tun.
  • Jeder Dienst ein eigenes Passwort. Das ist die wichtigste Regel überhaupt. Wird ein Anbieter gehackt, probieren Angreifer dieselben Zugangsdaten überall. Ohne Passwortmanager ist das nicht durchzuhalten – deshalb gehört einer dazu.
  • Zwei Faktoren, wo es sie gibt. Ein zweiter Faktor macht ein gestohlenes Passwort weitgehend wertlos. Bei E-Mail, Fernzugriff, Bank und allen Verwaltungszugängen ist er nicht verhandelbar.

Werkzeug

Passwortmanager im Betrieb

Die häufigste Sorge lautet: Wenn alles an einer Stelle liegt, ist das nicht besonders gefährlich? Die Antwort: Das Gegenteil ist gefährlicher.

Warum es sicherer ist

Die Alternative sind nicht sichere Passwörter im Kopf, sondern dieselben drei Passwörter überall, Zettel im Schreibtisch und Listen in Excel-Dateien auf dem Netzlaufwerk. Ein Manager ersetzt genau das.

  • Ein starkes Passwort statt vieler schwacher
  • Verschlüsselter Tresor statt Excel-Liste

Gemeinsame Zugänge

Manche Zugänge gehören dem Betrieb, nicht einer Person: Bankportale, Behördenkonten, Herstellerportale. Ein Manager mit Team-Funktion gibt sie gezielt frei und protokolliert, wer sie genutzt hat.

  • Freigabe statt Weitergabe
  • Beim Ausscheiden gezielt entziehen

Worauf zu achten ist

Der Tresor sollte so verschlüsselt sein, dass auch der Anbieter nicht hineinsehen kann. Wichtig ist außerdem eine Notfallregelung: Was passiert, wenn die einzige Person mit dem Hauptpasswort ausfällt?

  • Notfallzugang schriftlich regeln
  • Betrieb im eigenen Haus ist möglich

Der unangenehme Teil: gemeinsam genutzte Zugänge

In jedem Betrieb gibt es Zugänge, die mehrere Personen nutzen. Sie sind der Bereich mit dem größten Risiko und der geringsten Aufmerksamkeit.

  • Führen Sie eine Liste, welche gemeinsamen Zugänge es gibt und wer sie kennt. Ohne diese Liste lässt sich beim Ausscheiden einer Person nicht sagen, was zu ändern ist.
  • Vergeben Sie persönliche Konten, wo immer möglich. Ein gemeinsamer Zugang ist immer die schlechtere Lösung – niemand ist zuordenbar, und niemand fühlt sich verantwortlich.
  • Ändern Sie gemeinsame Passwörter beim Ausscheiden. Ausnahmslos, auch bei einvernehmlicher Trennung. Es geht nicht um Misstrauen, sondern um Sauberkeit.
  • Vergessen Sie die Zugänge nicht, die keiner Person gehören: Router, Firewall, Telefonanlage, Drucker, Netzwerkspeicher. Dort steht erfahrungsgemäß noch das Passwort aus der Ersteinrichtung.
  • Denken Sie an externe Zugänge: Steuerberater, Handwerker, Dienstleister, auch Ihr IT-Dienstleister. Auch die gehören auf die Liste.

Häufige Fragen

Was uns dazu oft gefragt wird

Sollen wir den erzwungenen Passwortwechsel abschalten?

In den meisten Fällen ja, aber nicht allein. Sinnvoll ist die Kombination: Wechselzwang entfernen, dafür Mindestlänge erhöhen, Zwei-Faktor-Anmeldung einführen und einen Passwortmanager bereitstellen.

Wenn Sie nur den Wechsel abschalten und sonst nichts ändern, verschlechtern Sie die Lage. Prüfen Sie außerdem, ob Vorgaben von Auftraggebern oder einer Zertifizierung entgegenstehen – manche Prüfkataloge hinken der Empfehlung noch hinterher.

Was tun nach einem bekannt gewordenen Datenleck?

Das betroffene Passwort ändern und alle anderen Dienste prüfen, bei denen dasselbe oder ein ähnliches verwendet wurde. Genau deshalb ist die Regel „jeder Dienst ein eigenes Passwort“ so wichtig – sie begrenzt den Schaden auf einen Dienst.

Prüfen Sie zusätzlich, ob im betroffenen Konto Weiterleitungen oder Regeln eingerichtet wurden, und ziehen Sie aktive Sitzungen zurück.

Sind Passkeys der Nachfolger von Passwörtern?

Sie sind der derzeit vielversprechendste Weg. Ein Passkey ist an ein Gerät gebunden und kann über eine gefälschte Anmeldeseite nicht abgegriffen werden – damit fällt der häufigste Angriffsweg weg.

Der Haken ist die Verbreitung: Nicht jede Fachanwendung unterstützt sie, und die Frage, was bei Geräteverlust passiert, muss vorher geklärt sein. Für die großen Dienste lohnt der Einstieg heute schon.

Wie lang sollte das Hauptpasswort des Managers sein?

Es ist das einzige Passwort, das sich jemand merken muss – entsprechend darf es lang sein. Vier bis fünf zusammenhanglose Wörter sind ein guter Maßstab.

Wichtig ist die Notfallregelung: Ein Hauptpasswort, das nur eine Person kennt, ist ein Ausfallrisiko für den Betrieb. Hinterlegen Sie es versiegelt an einem sicheren Ort.

Dipl.-Ing. Mohamed Khater

Dipl.-Ing. Mohamed Khater hat die INFONET Computer GmbH 1992 in Köln gegründet. Bei Übernahmen finden wir regelmäßig Passwortlisten in Tabellen auf offenen Netzlaufwerken – meist entstanden, weil niemand eine bessere Lösung bereitgestellt hat.

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Wo liegen bei Ihnen die Passwörter?

Wir sehen uns an, welche Zugänge es gibt, wie sie abgesichert sind und wo noch Werkseinstellungen aktiv sind. Erfahrungsgemäß der Termin mit den meisten Überraschungen.

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