Ratgeber · Dokumentenverwaltung

Teams, SharePoint, OneDrive: wo gehört welche Datei hin?

Die häufigste Fehlbedienung in Microsoft 365 ist die Ablage. Eine klare Zuordnung, die auch nach zwei Jahren noch trägt.

Von Dipl.-Ing. Mohamed Khater, Gründer und Geschäftsführer, seit 1992 · · 9 Minuten Lesezeit

Die häufigste Fehlbedienung in Microsoft 365

Microsoft 365 bietet drei Orte, an denen Dateien liegen können, und die Oberfläche erklärt nirgends, welcher wofür gedacht ist. Das Ergebnis sehen wir in fast jedem Betrieb: Geschäftsunterlagen im persönlichen OneDrive einzelner Mitarbeitender, dieselbe Datei in drei Versionen an drei Orten, und Freigabelinks, die weiter reichen als beabsichtigt.

Die Folgen zeigen sich erst später. Wenn jemand das Unternehmen verlässt, liegen Vorgänge in einem persönlichen Bereich, an den niemand herankommt. Wenn eine Prüfung nach Unterlagen fragt, gibt es drei Fassungen und keine gültige. Und wenn Copilot eingeführt wird, findet es genau das, was jemand versehentlich zu weit freigegeben hat.

Die gute Nachricht: Die Zuordnung ist einfach, wenn man sie einmal festlegt. Sie muss nur festgelegt werden, bevor sich Gewohnheiten bilden.

Die Zuordnung

Was wohin gehört

Eine Regel, die sich in einem Satz erklären lässt – und genau deshalb eingehalten wird.

OneDrive: persönlich, nicht privat

Ihr eigener Arbeitsbereich für Entwürfe, Notizen und Dinge, an denen Sie allein arbeiten. Alles, was fertig ist oder andere angeht, gehört hier heraus.

  • Entwürfe und Zwischenstände
  • Nichts, was der Betrieb später braucht
  • Bei Ausscheiden nur begrenzt zugänglich

Teams-Kanal: laufende Zusammenarbeit

Dateien, an denen ein Team gerade gemeinsam arbeitet, zusammen mit der Unterhaltung darüber. Jeder Kanal hat automatisch einen Ordner in der zugehörigen SharePoint-Bibliothek.

  • Ein Kanal je Thema, nicht je Person
  • Datei und Gespräch am selben Ort

SharePoint: die Ablage des Betriebs

Alles, was dauerhaft gilt und unabhängig von einzelnen Personen und Projekten existiert: Verträge, Vorlagen, Richtlinien, abgeschlossene Vorgänge. Hier gelten Berechtigungen nach Abteilung oder Vorgang.

  • Struktur nach Vorgang, nicht nach Person
  • Der Ort für alles Abgeschlossene

Der riskante Teil

Freigaben, die weiter reichen als gedacht

Beim Teilen einer Datei bietet Microsoft mehrere Optionen an, die sich in ihrer Wirkung erheblich unterscheiden – und die Voreinstellung ist selten die engste.

  • „Jeder mit dem Link“ bedeutet wirklich jeder. Der Link funktioniert ohne Anmeldung und lässt sich beliebig weitergeben. Für den Versand an Externe manchmal richtig, für Interna nie.
  • „Personen in Ihrer Organisation“ heißt: alle Beschäftigten, nicht nur die Abteilung. Bei Gehaltsdaten oder Personalunterlagen ist das ein Datenschutzvorfall in Wartestellung.
  • „Bestimmte Personen“ ist die richtige Voreinstellung für den Alltag. Der Link funktioniert nur für die ausdrücklich genannten Empfänger.
  • Ablaufdatum setzen, wo es geht. Ein Freigabelink ohne Ablauf lebt ewig – auch wenn der Empfänger seinen Arbeitgeber längst gewechselt hat.
  • Regelmäßig prüfen, was freigegeben ist. Im Verwaltungsportal lässt sich auswerten, welche Dateien extern geteilt sind. Der erste Blick darauf überrascht in jedem Betrieb.

Synchronisierung: wann sie hilft und wann sie schadet

Der blaue Wolkenordner im Explorer ist bequem – und die Ursache für einen Großteil der Probleme, die uns als „OneDrive spinnt“ gemeldet werden.

  • Synchronisieren Sie nur, was Sie wirklich lokal brauchen. Eine ganze Bibliothek mit hunderttausend Dateien zu synchronisieren, überlastet den Rechner und die Leitung.
  • Dateien bei Bedarf einschalten. Dann liegt nur die Ordnerstruktur lokal, die Inhalte werden beim Öffnen geholt. Für die meisten Arbeitsplätze die richtige Einstellung.
  • Keine Datenbanken oder Fachanwendungen in synchronisierte Ordner legen. Programme, die eine Datei dauerhaft geöffnet halten, führen zu Dauerkonflikten und beschädigten Ständen.
  • Auf Konfliktdateien achten. Tauchen Dateien mit angehängtem Rechnernamen auf, hat die Synchronisierung zwei Fassungen gefunden. Diese Dateien müssen inhaltlich geprüft werden, nicht einfach gelöscht.
  • Pfadlängen im Blick behalten. Tief verschachtelte Ordner mit langen Namen stoßen an Grenzen von Windows – ein Grund mehr für flache Strukturen.

Häufige Fragen

Was uns dazu oft gefragt wird

Was passiert mit dem OneDrive einer Person, die ausscheidet?

Nach dem Löschen des Kontos bleibt der Inhalt standardmäßig eine begrenzte Zeit erhalten und ist über die Verwaltung zugänglich – danach ist er weg. Diese Frist lässt sich verlängern, aber man muss daran denken, bevor das Konto gelöscht wird.

Der bessere Weg ist, das Problem gar nicht entstehen zu lassen: Wenn geschäftliche Unterlagen in SharePoint liegen, betrifft das Ausscheiden nur noch Entwürfe.

Sollen wir Netzlaufwerke ganz abschaffen?

Nicht zwangsläufig und vor allem nicht auf einmal. Große Datenbestände, auf die ständig zugegriffen wird, und Fachanwendungen mit eigener Dateiablage bleiben oft besser im Haus.

Sinnvoll ist der schrittweise Weg: erst die Ablagen umziehen, an denen gemeinsam gearbeitet wird, dann die Archive, zuletzt – wenn überhaupt – die Fachanwendungen. Beides parallel zu betreiben ist ein Zustand, kein Scheitern.

Wie tief sollte die Ordnerstruktur sein?

Drei bis vier Ebenen sind ein guter Maßstab. Tiefere Strukturen werden nicht mehr eingehalten, weil niemand weiß, wo etwas hingehört, und sie stoßen an technische Grenzen bei der Pfadlänge.

Was tiefe Strukturen ersetzt, ist die Suche – die in SharePoint gut funktioniert, sofern Dateien vernünftig benannt sind. Zehn Minuten in eine Namenskonvention investiert, ersparen Jahre an Sucherei.

Wer sollte Teams-Kanäle anlegen dürfen?

Wenn es jeder darf, entstehen binnen eines Jahres dreißig Teams mit überlappenden Themen, von denen die Hälfte verwaist ist. Wenn es niemand darf, entstehen Umgehungslösungen über E-Mail und private Chats.

Der Mittelweg: Anlegen über eine benannte Stelle, dafür schnell und unbürokratisch. Dazu eine jährliche Durchsicht, welche Teams noch gebraucht werden.

Ist Microsoft 365 gesichert, oder brauchen wir eine eigene Sicherung?

Microsoft sichert die eigene Infrastruktur, nicht Ihre Daten gegen Ihre eigenen Fehler. Eine gelöschte Datei ist nach Ablauf der Papierkorbfristen endgültig weg – bei einem versehentlich gelöschten Ordner, der Monate später auffällt, hilft das nicht.

Eine eigene Sicherung von Postfächern, OneDrive und SharePoint ist deshalb kein Luxus. Wir sehen sie bei Übernahmen deutlich seltener, als man annehmen würde.

Dipl.-Ing. Mohamed Khater

Dipl.-Ing. Mohamed Khater hat die INFONET Computer GmbH 1992 in Köln gegründet. Die Ablage ist der Bereich, in dem sich Entscheidungen am längsten auswirken – eine Struktur, die einmal falsch angelegt wurde, begleitet einen Betrieb über Jahre.

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Wo liegen Ihre Dateien eigentlich?

Wir sehen uns an, was in OneDrive, Teams und SharePoint liegt, welche Freigaben nach außen bestehen und wo dieselben Unterlagen mehrfach existieren. Das Ergebnis bekommen Sie schriftlich.

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