Microsoft 365 · Anmeldesicherheit

Microsoft schafft SMS-Codes ab: was das für Ihre Anmeldung bedeutet

Seit dem 1. September 2026 schaltet Microsoft in Entra ID Passkeys als Standard frei und fordert Benutzer beim Anmelden auf, einen einzurichten. Am 1. Februar 2027 wird die Zustellung von SMS- und Telefoncodes eingestellt. Wer bis dahin nichts anderes hinterlegt hat, kommt nicht mehr weiter – die Aufforderung lässt sich dann nicht mehr wegklicken.

Von Dipl.-Ing. Mohamed Khater · · 9 Minuten Lesezeit

Was sich ändert – und was ausdrücklich nicht

Betroffen sind zwei Verfahren: der Code per SMS und der Anruf mit Ansage. Beide hat Microsoft bisher selbst zugestellt, ohne dass ein Unternehmen etwas dafür einrichten musste. Genau diese Zustellung endet.

Nicht betroffen ist die Microsoft-Authenticator-App. Das ist der Punkt, an dem die meisten Rückfragen entstehen: Wer die App mit Bestätigung oder Zahlencode nutzt, muss nichts tun. Auch andere Verfahren wie FIDO2-Sicherheitsschlüssel oder Windows Hello for Business bleiben unverändert. Es geht ausschließlich um Telefon und SMS.

Wer SMS oder Anruf weiterhin braucht – etwa weil eine Aufsichtsbehörde es verlangt oder weil Beschäftigte kein geeignetes Gerät haben –, kann das über einen eigenen Telekommunikationsanbieter weiterführen. Den bucht man über den Microsoft Security Store, und er kostet Geld. Vorher war die Zustellung im Abonnement enthalten.

Vier Termine

Der Zeitplan im Überblick

Zwischen dem ersten und dem letzten Termin liegen zehn Monate. Der entscheidende ist der dritte.

1. Sept. 2026Passkeys werden Standard. Benutzer mit SMS oder Anruf werden beim Anmelden aufgefordert, einen Passkey einzurichten.Die Aufforderung lässt sich wegklicken. Ein befristetes Abschalten ist möglich – es verschiebt aber nur den Zeitdruck.
18. Sept. 2026Microsoft veröffentlicht im Security Store, welche Telekommunikationsanbieter es gibt und was sie kosten.Nur wichtig, wenn Sie SMS über Februar 2027 hinaus brauchen.
30. Okt. 2026Ein eigener Anbieter lässt sich einrichten und testen.Microsoft empfiehlt, das mindestens vier Wochen vor dem Stichtag abzuschließen.
1. Febr. 2027Microsoft stellt die eigene Zustellung von SMS und Anruf ein.Wer nur SMS oder Anruf hinterlegt hat, muss beim Anmelden einen Passkey einrichten. Diese Aufforderung <b>blockiert</b> – Wegklicken geht nicht mehr.

Eine Ausnahme, die gern übersehen wird

Für <b>globale Administratoren und externe Benutzer</b> endet die Zustellung nicht im Februar, sondern erst am <b>1. Juli 2027</b>. Das klingt nach Entspannung, ist aber eine Falle: Wenn ausgerechnet die Administratorkonten noch monatelang per SMS funktionieren, fällt beim Testen nicht auf, dass für alle anderen längst Schluss ist. Interne Gastkonten fallen übrigens unter den Februar-Termin, nicht unter den Juli-Termin.

Einordnung

SMS, Authenticator, Passkey – wo der Unterschied liegt

Alle drei sind ein zweiter Faktor. Sie unterscheiden sich darin, was ein Angreifer tun muss, um sie zu umgehen.

SMS und Anruf

Der Code wird vorgelesen oder als Nachricht geschickt. Wer das Opfer auf eine nachgebaute Anmeldeseite lockt, bekommt den Code dort eingetippt und verwendet ihn sofort selbst. Dazu kommt der Austausch der SIM-Karte beim Mobilfunkanbieter.

  • Endet am 1. Februar 2027
  • Gegen nachgebaute Seiten wirkungslos

Microsoft Authenticator

Bestätigung in der App, oft mit Zahlenabgleich. Deutlich besser als SMS, weil kein Code über das Mobilfunknetz läuft. Umgehen lässt es sich trotzdem: Wer auf einer nachgebauten Seite landet, bestätigt die Anfrage des Angreifers in gutem Glauben.

  • Bleibt bestehen, kein Handlungsbedarf
  • Zahlenabgleich einschalten, falls nicht aktiv

Passkey

Der Schlüssel liegt auf dem Gerät und wird nur an die echte Adresse herausgegeben. Eine nachgebaute Seite bekommt ihn schlicht nicht – nicht weil der Benutzer aufmerksam ist, sondern weil die Adresse nicht passt. Freigegeben wird mit Fingerabdruck, Gesicht oder PIN.

  • Neuer Standard bei Microsoft
  • Ohne Passwort, nicht abfischbar

Vor der Umstellung klären

Sechs Punkte, an denen es im Betrieb hakt

Die Technik ist der einfache Teil. Aufwendig wird es bei den Menschen, die nicht in das Standardbild passen – und die gibt es in jedem Betrieb.

  • Wo wird der Passkey gespeichert? Auf dem Telefon, im Rechner oder in einem Passwortmanager wie Bitwarden oder 1Password. Die Entscheidung gehört vor die Einführung, nicht danach: Ein Passkey, der nur auf einem Gerät liegt, ist bei dessen Verlust weg.
  • Wer hat gar kein geeignetes Gerät? Beschäftigte in Produktion, Lager oder Pflege haben oft kein Diensttelefon, und ein privates darf man nicht voraussetzen. Für sie sind FIDO2-Sicherheitsschlüssel am Schlüsselbund meist die praktischere Lösung.
  • Was passiert beim Geräteverlust? Jeder braucht mindestens zwei Verfahren. Wer nur einen Passkey auf einem Telefon hat und das Telefon verliert, steht vor derselben Sperre wie vorher bei der SMS.
  • Gemeinsam genutzte Konten. Ein Passkey gehört zu einer Person und einem Gerät. Konten, die sich mehrere teilen – Empfang, Schichtleitung, Sammelpostfächer –, funktionieren damit nicht sauber. Die richtige Antwort sind persönliche Konten mit Berechtigung auf das gemeinsame Postfach.
  • Die Rücksetzung des Kennworts. Sie läuft in vielen Betrieben über dieselbe Telefonnummer. Fällt SMS weg, muss auch dieser Weg neu geregelt sein – sonst verlagert sich das Problem nur.
  • Ältere Programme und Geräte. Multifunktionsdrucker mit Scan-an-Mail, Zeiterfassung, Warenwirtschaft: Was sich über ein Benutzerkonto anmeldet, sollte vorher erfasst werden. Solche Anmeldungen laufen meist über andere Verfahren, aber sehen sollte man sie.

Vier Monate bleiben

Was jetzt zu tun ist

In dieser Reihenfolge. Der erste Schritt dauert zehn Minuten und entscheidet über den Aufwand des Rests.

  1. Zählen, wen es überhaupt betrifft

    Im Entra-Verwaltungsportal lässt sich auswerten, welche Benutzer SMS oder Anruf als Verfahren hinterlegt haben. In vielen Betrieben ist die Zahl kleiner als befürchtet – wer ohnehin mit der Authenticator-App arbeitet, ist nicht betroffen. Erst diese Liste sagt, ob es ein Nachmittag oder ein Projekt wird.

  2. Entscheiden: Passkeys oder eigener Anbieter

    Für die allermeisten mittelständischen Betriebe sind Passkeys der richtige Weg – sie sind sicherer und kosten nichts extra. Ein eigener Telekommunikationsanbieter lohnt nur, wenn eine Vorgabe von außen SMS ausdrücklich verlangt oder ein Teil der Belegschaft kein Gerät stellen kann.

  3. Speicherort festlegen und Ersatzverfahren bestimmen

    Bevor der erste Benutzer etwas einrichtet, muss klar sein: Wo liegt der Passkey, und was ist der zweite Weg, falls das Gerät fehlt? Ohne diese beiden Antworten entsteht ein Durcheinander, das später mühsam aufzuräumen ist.

  4. Mit einer kleinen Gruppe anfangen

    Fünf bis zehn Personen aus verschiedenen Abteilungen, darunter bewusst jemand ohne besondere Technikneigung. Was dort an Fragen aufkommt, kommt später von allen – nur dann gesammelt am selben Tag.

  5. Die Belegschaft vorbereiten, bevor die Aufforderung kommt

    Die Meldung erscheint mitten in der Anmeldung. Wer nicht weiß, was das ist, klickt sie weg oder ruft an. Eine kurze Nachricht vorab – was kommt, warum, was zu tun ist – erspart den größten Teil der Rückfragen.

  6. Im Januar nachzählen

    Einen Monat vor dem Stichtag dieselbe Auswertung wie in Schritt eins. Wer dann noch auf der Liste steht, wird gezielt angesprochen. Diese letzten Prozent sind es, die am 1. Februar sonst gleichzeitig anrufen.

Werkzeug

Checkliste für die Umstellung

Zum Abhaken und Ausdrucken. Die Punkte sind so sortiert, dass die Entscheidungen vor der Technik kommen – in umgekehrter Reihenfolge wird es teuer.

Ihre Eingaben bleiben in diesem Browserfenster. Es wird nichts gespeichert und nichts übertragen.

Bestand aufnehmen

Ohne diese Zahlen lässt sich der Aufwand nicht schätzen.

Entscheidungen treffen

Diese vier Fragen gehören beantwortet, bevor der erste Passkey eingerichtet wird.

Einführen

Erst in kleiner Runde, dann in der Fläche.

Nachhalten

Der Teil, den man sich vornimmt und dann vergisst.

Noch nichts abgehakt.

Häufige Fragen

Was uns dazu oft gefragt wird

Wir nutzen die Authenticator-App. Müssen wir jetzt umstellen?

Nein. Die Authenticator-App ist von der Abschaltung nicht betroffen, sie funktioniert unverändert weiter. Betroffen sind ausschließlich der Code per SMS und der Anruf mit Ansage.

Es kann trotzdem sein, dass Ihre Leute die Aufforderung zum Einrichten eines Passkeys sehen – sie erscheint bei allen, die noch für SMS oder Anruf freigeschaltet sind, auch wenn sie das Verfahren gar nicht mehr benutzen. In dem Fall genügt es, die alte Freischaltung zu entfernen.

Können wir die Umstellung aufschieben?

Bis zum 1. Februar 2027 ja. Microsoft bietet für den Zeitraum von September 2026 bis Februar 2027 ein befristetes Abschalten der automatischen Freischaltung an – das muss ein Administrator ausdrücklich einrichten.

Über den Februar hinaus hilft es nicht. Dann greift die Abschaltung für alle, und die Aufforderung beim Anmelden lässt sich nicht mehr wegklicken. Ein Aufschub verschiebt den Aufwand von September in den Januar, er erspart ihn nicht.

Was kostet es, SMS weiter zu nutzen?

Das hängt vom Anbieter ab, den Sie über den Microsoft Security Store buchen. Die Preise stehen seit dem 18. September 2026 dort. Neu ist vor allem: Es kostet überhaupt etwas – bisher war die Zustellung im Abonnement enthalten.

Für die meisten mittelständischen Betriebe lohnt das nicht. Sinnvoll ist es, wenn eine Vorgabe von außen ausdrücklich SMS verlangt oder ein größerer Teil der Belegschaft kein geeignetes Gerät hat.

Ein Mitarbeiter verliert sein Telefon. Kommt er dann noch rein?

Nur wenn ein zweites Verfahren hinterlegt ist. Genau das ist der Punkt, an dem Umstellungen scheitern: Wer einen einzigen Passkey auf einem einzigen Gerät hat, steht beim Verlust vor derselben Sperre wie vorher jemand ohne Telefonempfang.

Wir richten deshalb immer zwei Wege ein – etwa Passkey auf dem Telefon und zusätzlich einen Sicherheitsschlüssel oder einen Passkey im Passwortmanager. Dazu gehört eine benannte Zuständigkeit im Haus, wer zurücksetzen darf.

Sind Passkeys wirklich sicherer, oder ist das Marketing?

Der Unterschied ist technisch und nicht graduell. Ein Passkey wird nur an die Adresse herausgegeben, für die er angelegt wurde. Eine nachgebaute Anmeldeseite unter einer ähnlichen Adresse bekommt ihn nicht – unabhängig davon, wie überzeugend sie aussieht und wie unaufmerksam der Benutzer gerade ist.

Bei SMS und auch bei der Bestätigung in der App hängt der Schutz daran, dass der Mensch die Fälschung erkennt. Genau diese Annahme trägt nicht mehr, seit sich Anmeldeseiten in Minuten nachbauen lassen.

Was ist mit Konten, die mehrere Personen nutzen?

Die sind der unangenehmste Teil. Ein Passkey gehört zu einer Person und einem Gerät; ein Konto, das sich Empfang und Schichtleitung teilen, passt nicht in dieses Bild.

Die saubere Lösung ist ohnehin eine andere: persönliche Konten, die Berechtigung auf das gemeinsame Postfach bekommen. Das ist mehr Arbeit als ein Sammelkonto, löst aber gleich mehrere Probleme – auch die Frage, wer eigentlich was verschickt hat.

Dipl.-Ing. Mohamed Khater

Dipl.-Ing. Mohamed Khater hat die INFONET Computer GmbH 1992 in Köln gegründet. Die Erfahrung aus solchen Umstellungen ist immer dieselbe: Die Technik ist an einem Nachmittag erledigt, die Menschen ohne Diensttelefon brauchen drei Wochen Vorlauf.

Weiterlesen

Kostenlose Auswertung

Wie viele Ihrer Konten hängen noch an SMS?

Wir werten Ihre Microsoft-Umgebung aus und sagen Ihnen, wie viele Benutzer betroffen sind, wer kein geeignetes Gerät hat und was die Umstellung bei Ihnen bedeutet. Das Ergebnis bekommen Sie schriftlich – auch wenn Sie danach nichts weiter mit uns machen.

0221 984300-0Zentrale und Support-Hotline

[email protected]Antwort innerhalb von 4 Stunden an Werktagen

Robert-Perthel-Straße 7250739 Köln – Bilderstöckchen

Mo–Fr 09:00–18:00 UhrNotfallsupport nach Vereinbarung auch außerhalb